„Flüchtlingskrise“ mit der Bundeswehr bekämpfen?

Schülerinnen und Schüler zu „Bundeswehrspielchen“ verpflichtet

Es soll ja Menschen geben, die möchten den Teufel mit dem Belzebub austreiben. 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Hunger und da fällt der Bundeswehr nicht anderes ein als sich selbst als Lösung vorzuschlagen?

Was war passiert?

Die Schüler des Hildener Helmholtz Gymnasiums sahen folgenden Aushang und stellten ein Foto davon sofort ins Netz:

Liebe Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q2,

am Donnerstag, den 25.01.18, finden für die gesamte Jahrgangsstufe Q2 Planspiele zum Syrienkonflikt bzw. der Flüchtlingskrise statt. Diese Planspiele werden in Kooperation mit den Jugendoffizieren der Bundeswehr durchgeführt. Bitte bringt für die Planspiele Schreibzeug mit.

Für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q2 besteht im Zeitraum von 8 – 16 Uhr Anwesenheitspflicht (inklusive Pausen). Der eigentliche Unterricht dieses Tages entfällt.

Wichtig:

Die Planspiele finden zum einen am HGH und zum anderen in der Waldkaserne statt. Die Schülerinnen und Schüler, die in der Waldkaserne am Planspiel teilnehmen müssen bitte einen Personalausweis mitführen.

 

Nun gibt es ja im Netz beliebig viele Fake News – leider ist dies keine. Im Hildener Helmholtz-Gymnasium wollte man die “Flüchtlingskrise” mit der Bundeswehr bekämpfen. Aber nachdem nun alle Welt davon Wind bekommen hat machte man einen Rückzieher und gab auf der Schulwebseite bekannt:

Das für Donnerstag, 25.1.2018, geplante Simulationsspiel im Rahmen des Unterrichts im Fach Sozialwissenschaften der Jgst. Q2 findet aufgrund der vorliegenden Irritationen in der Öffentlichkeit nicht statt. Es wird auf einen anderen Termin verschoben. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte die Pressestelle der Bezirksregierung Düsseldorf.

Trotzdem hält man „grundsätzlich“ an dieser Unterrichtsform fest, nur der Termin sollte wegen des öffentlichen Aufruhrs verschoben werden. Vielleicht könnte man im Fach Sozialwissenschaften auch über friedliche Alternativen zu einem Waffengang suchen, z.B. weniger Rüstungsgüter in die Krisenregionen zu liefern (s. z.B. Waffenexporte in die Türkei zu stoppen! , Friedliche Lösungen für Syrien – keine Bundeswehr! , Deutsche Waffen in und um Aleppo dabei  ).

Wir müssen uns neben der grundsätzlichen Ablehnung solcher militärischen Planspiele dagegen aussprechen, dass die Schüler zur Teilnahme verpflichtet werden anstatt ihnen zumindest einen Alternativunterricht anzubieten.

Mehr dazu bei https://www.mimikama.at/allgemein/gruppenspiele-bei-der-bundeswehr/

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Kundgebung von Schule ohne Militär gegen Bundeswehrkonzert

Wohltätigkeit durch die Bundeswehr ?

Vielleicht meint die Bundeswehr damit die Einrichtung von KITAs in der Nähe der Truppenübungsplätze – die geplante Verdopplung des Rüstungshaushalts von 36 Milliarden Euro auf über 70 Milliarden, wie es das NATO 2%-Ziel „vorschreibt“ ist alles andere als ein Wohltätigkeit. Das ist gewollte soziale Armut in Deutschland.

Nein – die Bundeswehr kam ins Haus des Rundfunks in den großen Saal des rbb (Radio Berlin Brandenburg), um den ewig Gestrigen den Marsch zu blasen. Das ganze sollte ein Wohltätigkeitskonzert für wen auch immer sein.

Wohltätigkeitskonzert der Bundeswehr?

Es reiht sich ein in „Wohltaten“ wie Brunnen bohren in Afghanistan, Rettungs- und Katastropheneinsätze, gefechtsfeldnahe Kitas, frühkindliche Schießübungen und viele Auslandseinsätze.
Statt Musikcorps, Bigband und andere Orchester zu unterhalten, wäre es praktischer, deren ständige Kosten direkt wohltätigen Zwecken zu spenden.
Wir schlagen vor, den Rüstungshaushalt insgesamt umzuwidmen. Das reduziert die Zahl der Wohltätigkeits-Bedürftigen beträchtlich – hier bei uns und anderswo in der Welt.

Im Gegensatz zum letzten Jahr konnten wir zumindest registrieren, dass die Besucher aufmerksamer unsere Flyer nahmen und auch gelesen haben. Einige Male hörten wir auch, dass unsere Aktion vom letzten Jahr nicht in Vergessenheit geraten war.

Ursula v.d. Leyen war wieder in voller Montur aber etwas blutbefleckt zur Begrüßung der ewig Gestrigen erschienen. Soldatisch korrekt salutierten einige uniformierte Besucher vor ihrer Geldbeschafferin.
Nur die ebenfalls anwesenden preussischen „Kerls“, auch weiblichen Geschlechts, ließen die Achtung vor der Oberbefehlshaberin vermissen.

Nach der Verschwendung von über 50 Milliarden Euro an Steuergeldern allein für diese Auslandseinsätze hätte uns eigentlich Jede/r zujubeln müssen.
Hier ist wohl noch Überzeugungsarbeit nötig …

Wir kommen deshalb im nächsten Jahr gern wieder …

Jugendliche als Kanonenfutter reifen lassen

„Ohne eine Ausnahme hätte die Bundeswehr Probleme“

Auch wenn die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UNO) die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen verbietet, meint der Wehrbeauftragte des Bundestags, Bartels, dass die Einstellung Minderjähriger bei der Bundeswehr „alternativlos“ sei, wenn man Probleme bei der Personalrekrutierung verhindern wolle.

Minderjährige dürfen keinen Dienst mit der Waffe leisten und nicht in Auslandseinsätze geschickt werden – aber das ändert sich ja nach 1-2 Jahren, man muss die Jugendlichen nur gleich für mehrere Jahre verpflichten.

Die Zahl minderjähriger Soldaten bei der Bundeswehr ist im vergangenen Jahr mit 2.100 auf einen neuen Höchststand angewachsen. Trotzdem fehlen noch einige Tausend „Freiwillige“, um die jetzige Sollstärke zu erreichen. Die weiteren Aufrüstungspläne von Frau v.d. Leyen stehen damit glücklicherweise für die nächste Zeit in den Sternen.

Mehr dazu bei http://www.deutschlandfunk.de/wehrbeauftragter-bartels-minderjaehrige-bei-der-bundeswehr.1939.de.html?drn:news_id=837007

und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/6328-20180115-kurzmeldung-jugendliche-als-kanonenfutter-reifen-lassen.htm

Die Bundeswehr in der Schule

Bundeswehr Propaganda in der Schule – ja, aber bitte keine Diskussion über die Bundeswehr

… so das Fazit des Berichts eines Schülers in einem sächsischen Gymnasium:

Für eine Doppelstunde kam ein Jugendoffizier in den Unterricht. Die Themen sollten sein Terrorismus, innere Sicherheit, Deutschland in der UNO und der NATO und die Bundeswehr im Ausland. Nach Ansicht der Lehrerin würde zu diesen Themen auch die Fragen des Schülers zum Thema Syrien reinpassen.

Da sich der Schüler aber konkret vorbereitet hatte, war es der Lehrerin nach 2 Fragen schon nicht mehr recht über Krieg und Frieden sowie Gewaltvermeidung zu diskutieren. Spätestens nach der Feststellung, dass es ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates braucht, damit Tornados nach geltendem Völkerrecht legal im Luftraum eines anderen Landes fliegen dürfen und es dieses Mandat für Syrien nicht gibt, somit lediglich die russische Luftwaffe berechtigt ist sich dort zu bewegen, war die Geduld der Lehrerin erschöpft. Obwohl selbst der Jugendoffizier dem Schüler in diesem Punkt zustimmte und bestätigte, dass Russland zwar legal in Syrien vertreten sei, musste der Schüler seine Fragen dann nach der Schulstunde in der Pause mit dem Offizier alleine klären.

Weiter lesenwert: Der Schüler hatte sich auch ausführlich mit dem sächsischen Schulgesetz und dem Beutelsbacher Konsens auseinandergesetzt, der eine ausgewogene Auseinandersetzung mit schulfremden Personen und Berufsgruppen im Unterricht verlangt. Lesen!

Mehr dazu bei https://www.rubikon.news/artikel/die-bundeswehr-macht-schule

Keiner will in Auslandseinsätze

Immer weniger Bewerber für freiwilligen Wehrdienst

Vielleicht haben unsere Ratschläge für friedliche Konfliktlösungen und gegen einen „Dienst an der Waffe“ doch etwas bewirkt. In vielen Artikel haben wir schon darauf hingewiesen, dass die Versprechen der teuren Bundeswehrwerbekampagne über Abenteuer, Ausbildung und das „einen echten Mann stehen“ bei den Jugendlichen nichts mit der Wirklichkeit in den Kriegseinsätzen zu tun haben.

So ist die Zahl der Bewerber für den freiwilligen Wehrdienst weiter stark zurückgegangen. 6 Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht meldeten sich von Jahresbeginn bis Ende August in diesem Jahr 10.105 Männer und Frauen für einen Dienst an der Waffe. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von mehr als 15%. Das hat das Verteidigungsministerium ermittelt, aber nicht gesagt ob es seine Werbeagentur deswegen feuern wird …

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wäre eine Werbekampagne auf die Zielgruppe der Rentner und Pensionäre angebracht. In den Medien außerhalb der kürzlich um 30 Millionen Euro aufgestockten Werbekampagne macht die Bundeswehr eher über

  • rechtsradikale Rituale
  • sexuelle Übergriffe und
  • (nicht) vergangenen Korpsgeist

von sich reden.

Mehr dazu bei http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-11/bundeswehr-freiwilliger-wehrdienst

1. AfD-Vorschlag in Berlin soll umgesetzt werden

Bezirke wollen Schulen von Ex-Soldaten bauen lassen

Nicht genug damit, dass Berliner Politiker überhaupt auf die Vorschläge von AfD Politikern eingehen, jetzt sollen, wie die Berliner Zeitung berichtet, angeblich ehemalige Bundeswehrangehörige den schleppenden Schulaus- und Neubau beschleunigen.

Als Planer, Bauleiter oder Technischer Zeichner sollen sie aushelfen. Das haben die Berliner Bezirke jüngst in ihrem 10-Punkte-Plan zur sogenannten Schulbauoffensive festgelegt. Den Vorschlag eingebracht hatte ein AfD-Politiker: Andreas Otti, der Spandauer Stadtrat für Facility Management, war/ist selbst Berufsoffizier.

Statt solcher „schlagzeilenträchtigen Parolen“ sollte man schnellstmöglich mit dem Bauen in den maroden Schulen beginnen, wenn denn schon 5,5 Milliarden Euro dafür eingeplant sind.

Wir sind gespannt, wann aus der rechten Ecke der Vorschlag kommt, Ex-Soldaten als Quereinsteiger auch in den Unterricht zu schicken. Vergessen wir nicht, dass bereits neun Monate bei der Bundeswehr der Charakterentwicklung schaden (s. Charakter im Eimer durch Bundeswehr? ). Das hatte ein Forscherteam an der Universität Tübingen im Jahr 2013 festgestellt.

Bundeswehr und REWE haben „Kooperation“ vereinbart

Bundeswehr und „Partner“

Na was steckt denn hinter dieser „Kooperation“? Wird die Bundeswehr künftig nur noch gesunde Bio-Produkte von REWE beziehen?
Nein, es geht um ganz handfeste Geschäfte und für die Bundeswehr um Sicherstellung ihrer Mannschaftsstärke trotz dünner Personaldecke, denn (überzählige) REWE Beschäftigte haben künftig die Möglichkeit bei der Bundeswehr „nützliche Erfahrungen für den regulären Job“ zu sammeln.

Vor kurzem schlossen das Bundesverteidigungsministerium und der Handelskonzern REWE eine „Kooperationsvereinbarung“, die die „gegenseitige Vermittlung von Beschäftigten“ vorsieht. REWE erklärte sich außerdem bereit, seine Mitarbeiter für militärische „Reservistendienste“ freizustellen, während die deutschen Streitkräfte zusagten, die Betreffenden dort einzusetzen, wo sie „nützliche Erfahrungen für den regulären Job“ sammeln können.

Die „Kooperation“ lohnt sich auch an anderer Stelle für REWE: Nicht nur die im Inland, sondern ebenso die in ausländischen Kriegsgebieten operierenden deutschen Militärs werden ausschließlich mit Waren aus dem Sortiment deutscher Handelskonzerne versorgt.

Ähnliche Abkommen gibt es mit der Dienstleistungsholding WISAG und auch die Deutsche Bahn AG und die Deutsche Post/DHL haben sich auf einen intensiven Personalaustausch mit der Truppe verständigt, um dem „Fachkräftemangel“ abzuhelfen. Bahn und Post haben bereits langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der „zivil-militärischen Zusammenarbeit“ und sind für die Logistik der Bundeswehr unverzichtbar.

Nun können sich aus der Bundeswehr ausscheidende Soldaten schon vor dem Ende ihrer Dienstzeit für Praktika bei REWE bewerben, „um sich für eine Anschlussbeschäftigung zu empfehlen“. Umgekehrt wird REWE ausscheidende Mitarbeiter über „militärische und zivile Karrieremöglichkeiten in den Streitkräften und in der Bundeswehrverwaltung“ informieren.

Während im Fall REWE zivile und militärische Laufbahn noch(!) trennbar sind, ist das bei der Post/DHL bereits schwerer: Aktuell betreibt die Post nach eigenen Angaben elf „Feldpostämter“ in den Operationsgebieten des deutschen Militärs, um die dort eingesetzten Soldaten mit Briefen und Paketen zu versorgen. Die unter anderem im Irak, in Afghanistan und in Mali stationierten Konzernmitarbeiter wurden zuvor von der Bundeswehr zu sogenannten Feldpostsoldaten ausgebildet; sie tragen Uniform und sind stets bewaffnet. Auch die von Bundesverteidigungsministerium und der DB AG ins Leben gerufene BwFuhrparkService GmbH stellt tausende von Nutzfahrzeugen für die Truppe bereit; das DB-Tochterunternehmen Schenker sorgt für den Nachschub in die diversen Kriegsgebiete.

Mehr dazu bei https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7422/
und http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58918
und vom 18.5.17 http://www.dpdhl.com/
und vom 11.10.17 http://www.bmvg.de/

Bundeswehr-Abenteuercamps sollen „soldatisches Dienen“ lehren

Ferien-, Kennenlern-, IT- und Abenteuercamps für Schülerinnen, Schüler und Jugendliche bei der Bundeswehr

Ist ja man gut, dass deutsche Jugendliche die „ersten authentischen Eindrücke über den Arbeitgeber Bundeswehr für eine konkrete Bewerbung“ bisher noch nicht auf dem Schlachtfeld in Afghanistan, im Irak oder Syrien sammeln müssen, die einheimischen Kinder und Jugendlichen haben da leider keine Wahl.

Bei uns geht das ganz ordentlich vor sich: die Jugendlichen können sich für ein Abenteuercamp bewerben oder gewinnen ein Preisausschreiben, z.B. in der BRAVO (s. z.B. Herausforderung deines Lebens bei Bundeswehr?) und dürfen dann bei und mit den Gebrigsjägern über die Berge klettern. Das hört sich dann offiziell so an:

O-Ton Bundeswehr: „Mach, was wirklich zählt“

Die Bundes­wehr engagiert sich an ihren Standorten im sozialen Umfeld und unterstützt Initiativen und Einrichtungen u. a. der Kinder- und Jugendhilfe, um „das Verständ­nis für die Bundeswehr im Allgemeinen und das soldatische Dienen im Beson­deren“ zu steigern (zitiert nach Bundestagsdrucksache 18/7494). Dazu unterhält sie engere Kooperationen zu Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Kitas. Ebenso besucht die Bundeswehr Schulen und Hochschulen und ist auf Berufsmessen vertreten. Die Bundeswehr spricht Jugendliche aber auch durch Kennenlern-, Ferien-, IT- oder Abenteuercamps an.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Norbert Müller (Potsdam), Sigrid Hupach, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE, – Drucksache 18/13138 – wird fein säuberlich durch das Verteidigungsministerium aufgelistet, wo und wie oft Kinder und Jugendliche zu solchen „Abenteuern“ bei der Bundeswehr fahren durften.

Die Antwort ist erschreckend, denn es sind keine Einzelfälle, so dass die Antwort, z.B. auf die Frage „Welche Camps wurden bzw. werden durch die Bundeswehr in den Jahren 2012-2017 organisiert und durchgeführt“ eine Tabelle über fast 10 Seiten liefert.

Wir dokumentieren hier nur einen kleinen Auszug:

Interessant ist die Antwort auf die Frage „Inwiefern kann die Bundesregierung sicherstellen, dass bei den unterschied­lichen Camps der Bundeswehr sowie deren Bewerbung nicht gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen wird?“

So ist die Bundeswehr doch tatsächlich der Ansicht: „Die Praxis der Bundeswehr steht in Bezug auf die Durchführung von Veranstal­tungen im Einklang mit geltendem nationalen wie internationalem Recht. Auch bei der Bewerbung von Camps durch die Bundeswehr sowie der Teilnahme von Jugendlichen an diesen werden die Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention beachtet.“

Da sind wir jedoch ganz anderer Meinung!

Natürlich wurde auch nach den Kosten für diese Kriegsdienst-Werbemaßnahmen gefragt und das Ergebnis ist wieder eine lange Tabelle, allerdings ohne Summierung der Einzelpositionen, so dass wir auf eine Schätzung verzichten. Es ist ja bekannt, dass der Werbeetat der Bundeswehr in den letzten Jahren stetig gestiegen ist und bereits 2013 30 Millionen Euro für die Nachwuchswerbung ausgeben wurden (s. z.B. Bundeswehrwerbung gefährdet Ihre Gesundheit).

Wir danken den Abgeordneten der Linken für ihre detaillierten Fragen, denn sonst würde niemand den Umfang und die Menge solcher „Abenteuercamps“ der Bundeswehr erahnen. Wir hoffen, dass die Zahl der Jugendlichen, die auf solche Maßnahmen hereinfallen, weiter sinkt, damit es nicht gelingt das „soldatische Dienen im Beson­deren zu steigern„.

Mehr dazu bei Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Norbert Müller (Potsdam), Sigrid Hupach, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 18/13138 –
sowie
Bundestagsdrucksache 18/7494

Bundeswehr spielt Krieg auf der #gamescom

Bei Kritik stellt sich die Bundeswehr tot

Auch auf der Spielemesse #gamescom „spielt“ die Bundeswehr mit – sogar mit schwerem Gerät. Aber Krieg ist kein Spiel. Deshalb sind Kritiker vor der Messe und klären auf, denn am Stand der Bundeswehr geht es nur in eine Richtung – auf in den Kampf!

Aber die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind kein Spiel – höchstens eins mit dem Feuer …

Dies hinterfragt ein kritischer Bericht des WDR https://www.youtube.com/watch?v=fbE-xClq40A

Angeblich sind alle Beiträge der Bundeswehr von der #gamescom, die sie mit bekannten Youtubern schmückt online auch kritisch zu hinterfragen. Als der Reporter, anmerkt, dass Kommentare in Snapchat nicht möglich sind, findet er plötzlich keinen Ansprechpartner für sein Interview.

So sieht Transparenz bei der Bundeswehr aus.

Ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=fbE-xClq40A

 

Dritte Schule in Berlin ist „Bundeswehr-frei“

Zukünftig keine Bundeswehr an der Fritz-Karsen-Schule in Berlin

Die Gesamtkonferenz der Fritz-Karsen-Schule hat am 21.2.2017 folgenden Beschluss gefasst:

Die Gesamtkonferenz möge beschließen, keine Werbung der Bundeswehr, z.B. in Form von Informationsmaterial oder beim Ausbildungsmarkt, zuzulassen.
Hierzu gehören z.B.:

  • Kooperationsverträge mit der Bundeswehr
  • Einladen von Bildungsoffizieren in den Unterricht oder zu schulischen Veranstaltungen
  • Werbung für Praktika in Bundeswehreinrichtungen
  • Exkursionen zu Bundeswehreinrichtungen oder von der Bundeswehr durchgeführten Veranstaltungen
  • Werbung für Ausbildungsgänge bei der Bundeswehr oder für ein Studium an einer Bundeswehrhochschule
  • Teilnahme der Schule an Wettbewerben, Jugendmessen, Arbeitsplatzbörsen, die von der Bundeswehr ausgestaltet werden.
  • Das Verteilen von Werbematerialien der Bundeswehr

In der Begründung heißt es unter anderem:
… Die Bundeswehr rekrutiert seit Jahren Minderjährige, was weltweit in nur 25 anderen Ländern der Fall ist (z.B. Tschad, Kongo, Burma…). Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, der die Einhaltung der Kinderrechtskonvention und der Zusatzprotokolle kontrolliert, empfahl der Bundesregierung 2008, »das Mindestalter für die Rekrutierung auf 18 Jahre zu erhöhen, um den Schutz des Kindes durch insgesamt höhere gesetzliche Standards zu fördern«. Auch die Militärwerbung an Schulen wurde vom Ausschuss schon kritisiert.[1]

Der Wehrdienst ist kein normales Ausbildungsverhältnis. Jugendliche unterschreiben Verträge bis zu 12 Jahren und können nach der Probezeit von 6 Monaten diese Verträge nicht regulär verlassen. Sie werden mit Erwachsenen untergebracht und werden in Techniken der Kriegsführung ausgebildet, einschließlich der simulierten Tötung (während wir im Unterricht vor „Killerspielen“ warnen). Untersuchungen in der britischen Armee (die 16 und 17-Jährige rekrutiert) zeigen, dass unter den jüngsten Rekrutinnen und Rekruten die Fälle von psychischen Traumata wie PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), Mobbing, Selbstverletzung und Selbstmord deutlich höher sind als bei Erwachsenen.

Die Bundeswehr wirbt aber bei Jugendlichen intensiv um Nachwuchs. Im Vordergrund steht dabei die Darstellung der Bundeswehr als Ort für „Abenteuer“ und „jede Menge Fun“.[2]

Unsere Schule sollte mit gutem Beispiel vorangehen und Kinderrechte stärken. Wir können die Jugendlichen vor Werbemaßnahmen, die über all die genannten Risiken schweigen, schützen, so lange sie Teil dieser Schule sind.

Darüber hinaus sieht die Gesamtkonferenz die Teilnahme der Bundeswehr an dem Ausbildungsmarkt in Widerspruch zu §1 Berliner Schulgesetz: „Ziel [der Schule] muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, […] das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage… des Friedens, […] zu gestalten.“


1) Deutsche Friedensgesellschaft, Vereinigte KriegsdientsgegnerInnen: Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen: https://www.dfg-vk.de/rekrutierungen-der-bundeswehr/bundeswehr-wirbt-und-rekrutiert-minderjaehrige-und-missachtet-damit-die-kinderrechte-429, aufgerufen am 03.02.2017.

2) Terre des hommes: Minderjährige und Bundeswehr, https://www.tdh.de/was-wir-tun/arbeitsfelder/kinder-im-krieg/materialien-links-adressen/, aufgerufen am 03.02.2017.